Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Gesundheitswesen

Eine Frage der Umsetzung

06 Jan 12

Thomas Postina

Im Jahr 2011 wurden 27 Medikamente mit neuen Wirkstoffen in den deutschen Arzneimittelmarkt eingeführt. 2010 zählte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) 26 solcher Innovationen.

Wie viele neuartige Arzneimittel 2012 auf den Markt kommen werden, das steht in den Sternen. Denn das neue Jahr bringt für den deutschen Arzneimittelmarkt etwas spektakulär Neues: Erstmals müssen die Arzneimittelhersteller mit dem GKV-Spitzenverband über den Erstattungspreis völlig neuer Arzneimittel verhandeln. Und nicht jedes Unternehmen kann sich mit diesem Umstand anfreunden. Novartis hat bereits einen Blutdrucksenker aus dem Markt genommen, Boehringer Ingelheim und Lilly wollen ihr gemeinsam angebotenes Antidiabetikum, das sich weiterhin in der frühen Nutzenbewertung befindet, vorerst in Deutschland nicht einführen.

Kein Reservat für Re-Importeure

09 Okt 11

Thomas Postina

Das Geschäft mit Re- und Parallelimporten boomt. Die Handelsunternehmen, die sich auf Arbitrage-Geschäfte mit Arzneimitteln spezialisiert haben, sind längst nicht mehr die Schmuddelkinder des Arzneimittelmarkts. Wer etwas anderes behauptet, der braucht nur ins saarländische Merzig zu fahren und sich die Betriebsanlagen des unumstrittenen Marktführers in diesem Segment anzusehen. Kohl Pharma hat es längst unter die Top Ten der größten Arzneimittelanbieter geschafft. IMS listet das Unternehmen auf Platz neun auf, nur zwei Plätze hinter dem ersten Pharma-Hersteller mit rein deutschen Wurzeln: Bayer. Auf rund drei Milliarden Euro beläuft sich mittlerweile der Umsatz, den die rund 60 auf Medikamenten-Import spezialisierten Handelsunternehmen im deutschen Apothekenmarkt erzielen.

Jahr um Jahr gehen 1,4 Milliarden Arzneimittelpackungen über die Verkaufstresen deutscher Apotheker. Dagegen nimmt sich die Zahl der bekannt gewordenen Arzneimittelfälschungen bescheiden aus: Ganze 40 Fälle in den legalen Vertriebsketten wurden den Strafverfolgungsbehörden in den Jahren 1996 bis 2008 bekannt.

Angesichts dieser Zahlen, die für die hohe Sicherheit der Arzneimittelversorgung in Deutschland sprechen, scheint die Sorge der Europäischen Kommission um die Arzneimittelsicherheit und der enorme Aufwand unbegründet, den Europäischer Rat und Europäisches Parlament bis zur Verabschiedung der Richtlinie 2011/62/EU, mit der Arzneimittelfälschungen erschwert werden sollen, getrieben haben.

Industrie vor die Tür?

06 Sep 11

Thomas Postina

Bürgerliche Regierungen sind kein Garant für wirtschaftsfreundliche Entscheidungen. Die pharmazeutische Industrie hat dies immer wieder enttäuscht erfahren müssen.

Welches Urteil einmal über die Amtsperiode der FDP-Politiker Rösler und Bahr gefällt wird, das muss sich noch erweisen. Einerseits betont das erstmals unter liberale Leitung stehende Haus endlich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Arzneimittel- und Medizinprodukte-Industrie, veranstaltet „Zukunftskonferenzen“ und finanziert das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung. Andererseits greift das Ministerium mit seltener Rigidität in den Arzneimittelmarkt ein.

Chancengleichheit gefragt

15 Jul 11

Thomas Postina

Nur 15 der 43 Mitglieder des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) haben ihre Konzernzentrale in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass nur 15 vfa-Firmen in Deutschland forschen würden. An 86 Prozent aller Arzneimittel-Entwicklungen, die von der forschenden Arzneimittelindustrie angestoßen wurden, sind deutsche Kliniken und Arztpraxen beteiligt. 35 Firmen unterhalten hierzulande Abteilungen für klinische Entwicklungen, 23 forschen in Deutschland an neuen Wirkstoffen.

Lockerung der Zensur

29 Jun 11

Thomas Postina

Am Internet führt kein Weg mehr vorbei: Rund 80 Prozent der Bevölkerung nutzen mittlerweile das rund 15 Jahre alte Medium, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Ärzte und Gesundheitsexperten geben in virtuellen Praxen Ratschläge. In Chatrooms und Foren tauschen sich Patienten und Angehörige über ihre Diagnosen, Krankheiten und Behandlungen aus. Mediziner und Apotheker spielen via Tastatur ihres Computers in diesem Konzert mit, allerdings nicht die erste Geige. Medizinische Informationen im Internet stammen eher von Selbsthilfeorganisationen, Patienten, Angehörigen – oft also von Laien. Sie berichten auch über ihre Erfahrungen mit den eingesetzten Medikamenten.

Konzept mit Hintergedanken

17 Mai 11

Thomas Postina

Das größte gesundheitspolitische Projekt dieses Jahres, das GKV-Versorgungsgesetz, droht zu einer Eier legenden Woll-Milch-Sau des Gesundheitswesens zu mutieren. Während das Bundesgesundheitsministerium, das im April erste Eckpunkte dazu vorstellte, das eng umrissene Ziel verfolgt, die flächendeckende, bedarfsgerechte medizinische Versorgung der Bevölkerung auf Dauer abzusichern, sehen manche Player des Gesundheitswesens darin die Chance, ungelöste Probleme oder schwelende Konflikte quasi im Huckepack gleich mit zu lösen.

Wider sektorales Denken

03 Apr 11

Thomas Postina

Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das bedeutendste Organ der Selbstverwaltung von Krankenkassen und Ärzteschaft. Es entscheidet nämlich, welche medizinischen Leistungen, Heil- oder Hilfsmittel in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden und welche nicht. Er legt fest, für welche Arzneimittelgruppen Festbeträge zu bilden sind, welche rezeptfreien Medikamente ausnahmsweise doch von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden oder – um ein aktuelles Beispiel aufzugreifen – unter welchen Umständen Diabetiker noch Anspruch auf Blutzuckerteststreifen haben. Insbesondere für Unternehmen der Arzneimittel- und der Medizintechnik-Industrie hat ein Spruch des G-BA also erhebliche wirtschaftliche Folgen.

Verirrungen im Regelungsdickicht

08 Mär 11

Thomas Postina

Politik, Krankenkassen, Ärzte und Patienten drohen, sich im Regelungsdickicht des deutschen Gesundheitswesens zu verirren. Gerade gut gemeinte Vorschläge und Initiativen enden, wenn man nicht aufpasst, im Chaos.

Ein Beispiel ist die Packungsgrößenverordnung. Was eigentlich gut gemeint war, nämlich den gesetzlichen Krankenkassen weitere Einsparungen bei den Arzneimitteln zu erschließen, hat Anfang des Jahres in den Apotheken zu großer Konfusion geführt, die die Patienten verunsichert, die Pharmazeuten verärgert und die pharmazeutische Industrie umgetrieben.

Lange hat es gedauert. Doch so allmählich macht sich in der Politik ein Paradigmenwechsel bemerkbar. Die Gesundheitswirtschaft, insbesondere die Produzenten von Arzneimitteln, Diagnostika und Medizintechnik, werden nicht mehr ausschließlich als die Profiteure des Gesundheitssystems gesehen, sondern als Hoffnungsträger. Mit ihrer Innovationskraft, mit ihrem Know-how sollen sie zum einen dazu beitragen, eine alternde Gesellschaft möglichst gesund zu erhalten und damit die Sozialsysteme zu entlasten. Zum anderen sollen sie sicherstellen, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb mit Arzneimitteln und Medizinprodukten weiterhin einen der vorderen Plätze einnimmt.

Symptomatisch für diesen erfreulich veränderten Blickwinkel ist das Rahmenprogramm zur Gesundheitsforschung, das die federführende Bundesforschungsministerin Annette Schavan gemeinsam mit Gesundheitsminister Philipp Rösler jetzt in Berlin vorgestellt hat. Die stolze Summe von fünfeinhalb Milliarden Euro soll in den nächsten vier Jahren in dieses Programm fließen.

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