Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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AMNOG

Demnächst Preisverhandlungen

05 Nov 11

Thomas Postina

Es war eine schwierige Geburt. Neun Monate hatten der GKV-Spitzenverband und die Verbände der Arzneimittelindustrie miteinander verhandelt. Doch das Kind, das am 13. Oktober nach einem finalen Verhandlungsmarathon das Licht der Welt erblickte, kann sich durchaus sehen lassen. Die „Rahmenvereinbarung zur Verhandlung von Erstattungsbeträge für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen“, die künftig die Grundlage für die Einzelverhandlungen von GKV-Spitzenverband und einzelnen Herstellern bildet, ist umfassender und präziser ausgefallen als viele dieses überhaupt noch erwartet hatten. Sie legt die formalen Abläufe der durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) vorgeschriebenen Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Kassenseite genauso fest wie die Kriterien zur Ermittlung von Jahrestherapiekosten.

Psychologie und Therapie

13 Jan 11

Thomas Postina

Deutschland und Großbritannien waren bislang die europäischen Länder, in denen Arzneimittelinnovationen zuerst auf den Markt gebracht wurden. Zugleich sind es aber die Staaten, in denen es am längsten dauert, bis sich solche Neuheiten in der ärztlichen Praxis durchsetzen. Innerhalb ihres Indikationsgebiets erreichten die Innovationen binnen eines Jahres in beiden Ländern nur rund fünf Prozent Marktanteil, hat das Marktforschungsunternehmen IMS ermittelt.

Diese Situation wird sich im neuen Jahr in Deutschland eher noch verschärfen. Angesichts der frühen Nutzenbewertung, die für Arzneimittelinnovationen seit Januar binnen dreier Monate nach Markteinführung vorgeschrieben ist, dürfte sich die abwartende Haltung der Ärzte gegenüber Arzneimittelneuheiten noch verstärken. Denn neben den rein gesetzgeberischen Hürden und Vorschriften, die den Arzneimitteleinsatz innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung beeinflussen, spielt die Psychologie für die rasche oder weniger schnelle Durchdringung des Marktes eine entscheidende Rolle.

Wer in Deutschland das Gesundheitswesen grundlegend umgestalten will, der muss dicke Bretter bohren. Der jetzt in Berlin vorgestellte „MLP Gesundheitsmonitor 2010“ zeigt dies überdeutlich. Er dokumentiert die ambivalente Haltung, die die meisten Deutschen zum Gesundheitssystem haben: Die weitaus meisten Menschen beurteilen das deutsche Gesundheitswesen einerseits als gut bis sehr gut. Sie sind aber andererseits von der Sorge geplagt, die Qualität könne sich verschlechtern. Sie erkennen die zunehmenden finanziellen Zwänge der Gesundheitsversorgung, lehnen aber in ihrer großen Mehrheit sowohl jegliche zusätzliche Belastung wie auch eine Beschränkung der Gesundheitsleistungen rundweg ab.

Klientelpolitik sieht anders aus

06 Okt 10

Thomas Postina

Der Bundesgesundheitsminister kann einem Leid tun. Jetzt hat Philipp Rösler der Arzneimittelindustrie die gravierendsten Einschnitte seit Norbert Blüms Festbeträgen verordnet, nämlich die Verkürzung der Preishoheit bei patentgeschützten Präparaten auf ein Jahr nach Markteinführung. Und dennoch muss er sich vorwerfen lassen, er sei der Büttel eines gewieften, mit allen Wassern gewaschenen Industriezweigs.

„Im Auftrag der Industrie“, titelte die „Frankfurter Rundschau“, „Schwarz-Gelb und Pharmalobby kungeln Reform aus“ meldet „Spiegel-online“ und selbst die konservativere „Financial Times“ konstatierte am 10. September „Pharmalobby diktiert Gesetz“. Wenn es doch bloß so wäre. Dann ginge es manchem Verantwortlichen in den Chefetagen der Branche besser.

Innovationen sind nicht umsonst zu haben. Dies wissen die Arzneimittelhersteller, die allein in Deutschland Jahr für Jahr gut fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken. Dies merken die Krankenversicherungen, denen die Ausgabensteigerungen bei innovativen Arzneimitteln ein Dorn im Auge sind, und dies beklagt die Politik, die den Kassen regulatorisch zur Seite springt.

Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) zielt darauf ab, die finanzielle Last der Innovationen für die Krankenkassen zu begrenzen. Es beschränkt die Freiheit des Herstellers, den Preis völlig neuer Medikamente selbst festzulegen, auf ein Jahr. Bis dahin muss er mit dem GKV-Spitzenverband einen Erstattungspreis ausgehandelt haben, andernfalls wird er von einer Schiedsstelle festgesetzt.

AMNOGs ungeklärte Fragen

05 Aug 10

Thomas Postina

Mitte September geht die parlamentarische Sommerpause zu Ende. Die relative Ruhe, die sich in den letzten Wochen auch über die gesundheitspolitische Debatte gelegt hatte, lebt wieder auf. Nachdem das Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften und mit ihm die drastische Erhöhung der Herstellerrabatte vom Bundesrat kurz vor der Sommerpause noch durchgewinkt worden war, stehen in diesem Jahr noch zwei Gesetzesvorhaben auf der Agenda: Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) und die Finanzreform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

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