Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Bert Rürup

Gutes System, schlecht finanziert

05 Okt 09

Thomas Postina

Professor Dr. Bert Rürup brachte es auf den Punkt: Das deutsche Gesundheitssystem ist im Vergleich zum Ausland ausgezeichnet. Auf der Jahresversammlung des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) relativierte der Wirtschaftswissenschaftler aus Darmstadt die wohlfeile Kritik, in die insbesondere wahlkämpfende Politiker und kritische Medien spontan verfallen, wenn ihnen das Stichwort Gesundheitsversorgung zugerufen wird. Gesetzlich Versicherte müssen hierzulande weder unzumutbar lange in den Wartezimmern sitzen, noch mit ellenlangen Wartelisten für Operationen leben, die in anderen Staaten gang und gäbe sind. Die Qualität der Medizin, die jeder nutzen kann, ist beeindruckend hoch.

Dass es bei der Bewertung des Gesundheitssystems eine Kluft gibt zwischen individueller Wahrnehmung und veröffentlichter Darstellung, unterstreicht eine Befragung, deren Ergebnisse die Allensbach-Chefin Professor Dr. Renate Köcher auf derselben Veranstaltung präsentierte: Immerhin 71 Prozent der Menschen in diesem Lande geben Gesundheitssystem und -versorgung die Noten gut bis sehr gut.

Wenn es nicht gerade weh tut, dann nehmen es die Bundesbürger mit ihrer Gesundheit nicht so genau. Politiker und Krankenkassen kann dies nur recht sein. Denn würden die Bürger alle Leistungen in Anspruch nehmen, auf die sie ein Recht haben und die als politisch korrekt gelten, dann lägen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen noch um einige Milliarden höher.

Allein 1,56 Milliarden Euro würde es kosten, wenn alle Versicherten die von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) angebotenen Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen würden. Tatsächlich sind es jedoch nur 520 Millionen. 1,2 Milliarden Euro müssten die Kassen berappen, wenn sich alle GKV-Versicherten impfen ließen. Tatsächlich zahlen sie für Schutzimpfungen jedoch nur 680 Millionen Euro.

Und wüssten alle Diabeteskranken von ihrem Leiden oder würden sich alle, die ihre Diagnose kennen, entsprechend behandeln lassen, dann kämen die Kassen bei weitem nicht mehr mit 14,6 Milliarden aus, die sie etwa für diese Krankheit und ihre Folgen im Jahr hinblättern müssen.

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