Navigation
Thomas Postina
Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.
Telefon: +49 (0)6257 / 50799-0
E-Mail: office@postina-pr.de
Tags
Suchen
Key-Visual






BPI
Jahr um Jahr gehen 1,4 Milliarden Arzneimittelpackungen über die Verkaufstresen deutscher Apotheker. Dagegen nimmt sich die Zahl der bekannt gewordenen Arzneimittelfälschungen bescheiden aus: Ganze 40 Fälle in den legalen Vertriebsketten wurden den Strafverfolgungsbehörden in den Jahren 1996 bis 2008 bekannt.
Angesichts dieser Zahlen, die für die hohe Sicherheit der Arzneimittelversorgung in Deutschland sprechen, scheint die Sorge der Europäischen Kommission um die Arzneimittelsicherheit und der enorme Aufwand unbegründet, den Europäischer Rat und Europäisches Parlament bis zur Verabschiedung der Richtlinie 2011/62/EU, mit der Arzneimittelfälschungen erschwert werden sollen, getrieben haben.
Innovationen sind nicht umsonst zu haben. Dies wissen die Arzneimittelhersteller, die allein in Deutschland Jahr für Jahr gut fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken. Dies merken die Krankenversicherungen, denen die Ausgabensteigerungen bei innovativen Arzneimitteln ein Dorn im Auge sind, und dies beklagt die Politik, die den Kassen regulatorisch zur Seite springt.
Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) zielt darauf ab, die finanzielle Last der Innovationen für die Krankenkassen zu begrenzen. Es beschränkt die Freiheit des Herstellers, den Preis völlig neuer Medikamente selbst festzulegen, auf ein Jahr. Bis dahin muss er mit dem GKV-Spitzenverband einen Erstattungspreis ausgehandelt haben, andernfalls wird er von einer Schiedsstelle festgesetzt.
Gleich zwei Kommissionen haben im März ihre Arbeit an einer künftigen Gesundheitsreform aufgenommen, nämlich – erstens – die Regierungskommission und – zweitens – die Reformkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Während die kundigen Beobachter bei der zweiten Kommission immerhin schon wissen, was am Ende an Vorschlägen und Forderungen herauskommen wird – nämlich eine Stärkung der solidarischen Absicherung gegen Krankheitsrisiken innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber –, ist das Ergebnis der Regierungskommission trotz Koalitionsvertrag längst nicht absehbar.
- BAH
- BPI
- DGB
- Direktverträge
- Durchschnittspreis
- Erstattungspreis
- G-BA
- Gesundheitsprämie
- Gesundheitsreform
- Gesundheitswesen
- Höchstpreis
- Ilse Aigner
- innovative Medikamente
- IQWiG
- Jürgen Wasem
- Koalitionsvertrag
- Kopfpauschale
- Kosten-Nutzen-Bewertung
- Kristina Schröder
- Philipp Rösler
- Preiskorridor
- Preismoratorium
- Preisverhandlungen
- Rabattverträge
- Rainer Brüderle
- Reformkommission
- Regierungskommission
- Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
- Stefan Kapferer
- Therapieerfolge
- Therapiefreiheit
- Thomas de Maizière
- Unterschriftenaktion
- Ursula von der Leyen
- VDGH
- Versorgungsziele
- VFA
- Wolfgang Schäuble
- Zwangsrabatt
Die neue Bundesregierung ist im Amt. Der FDP-Politiker Dr. Philipp Rösler hat im Gesundheitsministerium das Sagen. Der Koalitionsvertrag enthält auf jenen zehn Seiten, die dem Gesundheitswesen gewidmet sind, wider Erwarten eine Reihe marktwirtschaftlicher Ansätze. Wendet sich nun also alles zum Besseren im Gesundheitswesen?
Wer als Leistungserbringer den schrillen Tönen der Oppositionsparteien von rot-rot über rot bis grün lauscht, der könnte meinen: Ja. Denn wenn deren Kritik stimmt, wonach schon bald das Gespenst der sozialen Kälte die Versicherten erschreckt, dann heißt dies doch im Umkehrschluss: für Ärzte, Krankenhäuser, Medizinproduktehersteller oder pharmazeutische Industrie brechen demnächst rosige Zeiten an. Doch kann man sich auf die Opposition verlassen?
Der Berg kreißte ... und gebar eine Maus. Mitte August hat das Bundesgesundheitsministerium in Berlin „Tipps für eine sichere Arzneimitteltherapie“ vorgestellt. Für ein einseitig bedrucktes DIN-A4-Blatt war der personelle Einsatz bei der Präsentation beachtlich: Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Helga Kühn-Mengel war dabei, KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller, der Vorstand des GKV-Spitzenverbandes K.-Dieter Voß, der Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Professor Kai Daniel Grandt und der Kommission der Apothekerschaft Professor Dr. Martin Schulz. Nicht einmal Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ließ es sich nehmen, ihre Mahnung loszuwerden: „Sicherer Umgang mit Arzneimitteln ist für das Wohl der Patientinnen und Patienten von zentraler Bedeutung.“
Nächsten Monat ist es soweit: Die Wähler entscheiden am 27. September darüber, wer Deutschland künftig regieren soll. Sie treffen damit auch eine Entscheidung über die Ausgestaltung des Gesundheitswesens. Die Alternative lautet wie schon vor der letzten Wahl: mehr Staat oder mehr privat. Dass es in den letzten vier Jahren nicht zu einer klaren Weichenstellung in die eine oder andere Richtung kam, war den Mehrheitsverhältnissen geschuldet. Ein solches Interregnum ist auch für die nächste Legislaturperiode nicht auszuschließen.
SPD und Linke haben nun deutlich gesagt, wofür sie stehen: Für eine Bürgerversicherung, in die jeder auf Erwerbs- und Kapitaleinkünfte seinen Beitrag entrichten muss. Klar Position hat auch die FDP bezogen: Seit Jahren wünscht sie mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen und will es den Bürgern, bei einer Pflicht zur Versicherung, freistellen, wo und in welchem Umfang sie sich absichern. Es sind dies die am weitesten von einander liegenden Positionen in der Gesundheitspolitik.
Wie sich die Einstellungen doch ändern: Eben noch galten Chemiefirmen, die ein breites Produktportfolio von Grund- bis Spezialchemikalien aufwiesen, als antiquiert. Nun, angesichts der Konjunkturentwicklung, empfinden viele diese Firmen mit dem angeblich überholten Geschäftsmodell wieder als Hoffnungsträger. In der aktuellen Wirtschaftskrise stehen sie besser da als die schlanke Konkurrenz. Besonders gut sind die Firmen dran, die auch oder ausschließlich Arzneimittel herstellen.
Die weitgehend konjunkturunabhängige pharmazeutische Industrie federt derzeit die Auftrags- und Umsatzeinbußen der Gesamtchemie in Deutschland ab. Denn dort hat sich der Absturz der Auftragseingänge und Umsätze des vierten Quartals 2008 im neuen Jahr fortgesetzt. Die Arzneimittelindustrie ist – wie es der Merck-Manager und Vorsitzende des VCI-Landesverbands Hessen, Dr. Bernd Reckmann, auf einer Pressekonferenz ausdrückte - „das stabile Standbein unserer Branche“.
Der pharmazeutische Großhandel, einer der eher leisen Spieler im Konzert des Gesundheits-wesens, ist gerade dabei, sein Meisterstück in Sachen effizienter Interessenvertretung abzulie-fern: Seinem Bundesverband Phagro ist es gelungen, in den Entwurf der 15. Novelle des Arz-neimittelgesetzes (AMG) eine Passage einzubringen, die es in sich hat: Die Arzneimittelher-steller sollen gesetzlich verpflichtet werden, „im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vollversorgender Arzneimittelgroßhandlungen zu gewährleisten.“ Übersteht diese Formulierung die Anhörungen und parlamentarischen Beratungen, dann besitzt der Großhandel eine gesetzliche Bestandsgarantie.
In engem Zusammenhang damit steht ein weiterer Erfolg, den der Phagro für sich verbuchen kann: Bundesgesundheits- und Bundeswirtschaftsministerium arbeiten an einer Änderung der Arzneimittelpreisverordnung, die den Großhändlern, ähnlich wie den Apothekern, ab 2010 eine weitgehend preisunabhängige pauschale Vergütung pro ausgelieferter Packung garantieren soll.
Pressekonferenzen werden in Berlin viele veranstaltet, auch von den Akteuren im Gesundheitswesen. Sensationen dort sind selten. Die wenigsten ziehen Scharen von Journalisten und Kamerateams an, zu manchen kommen kaum noch zwei, drei Medienvertreter. Anfang Mai hat jedoch eine Veranstaltung Aufmerksamkeit erregt, zumindest bei den Fachmedien: Die erste gemeinsame Pressekonferenz des Verbands Forschender Arzneimittel-Hersteller (VFA) und des Verbands Pro Generika.
Einträchtig saßen der VFA-Vorsitzende Dr. Wolfgang Plischke und der Pro-Generika-Vorstand Wolfgang Späth auf dem Podium im Hause der Bundespressekonferenz beieinander, so eng und einig, als ob es niemals einen tiefen Riss zwischen forschenden und – an den Begriff sei an dieser Stelle noch einmal erinnert – nachahmenden Herstellern gegeben hätte.
Die Selbstmedikation hat Konjunktur – jedoch nur auf Verbandsversammlungen und in den Fachmedien. Beide beschäftigen sich mit dem Problem, dass die Menschen zwar viel Geld in Fitness-Studios und Wellness-Tempel tragen, offenbar aber selten bereit sind, eigenes Geld für rezeptfreie Medikamente in die Hand zu nehmen. Der OTC-Markt schwächelt nun schon seit rund vier Jahren. Der Umsatz ging zu Endverbraucherpreisen auch 2007 um 0,2 Prozent auf 4,27 Milliarden Euro zurück. Die Zahl der verkauften Packungen verringerte sich auf 549,5 Millionen; das sind zwei Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.
- 1 von 2
- ››