Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Generika

Biotech-Apotheke der Welt?

02 Mai 09

Thomas Postina

Die aktuelle Wirtschaftskrise hat die medizinische Biotechnologie offensichtlich noch nicht erfasst. Voller Stolz verkünden dies die beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) organisierten 29 Biotech-Unternehmen und verweisen auf deutlich steigende Umsätze, wachsende Marktbedeutung ihrer Produkte und stabile Beschäftigungslage.

Die Zahlen, die die Boston Consulting Group erfasst hat, sind in der Tat ermutigend. Demnach gibt es in Deutschland 375 Unternehmen mit gut 34.000 Beschäftigten, die sich mit medizinischer Biotechnologie beschäftigen. Rund 100 davon vermarkten bereits Biopharmazeutika, deren Anteil am Gesamtmarkt stetig wächst: Er erreichte 2008 am deutschen Arzneimittelmarkt immerhin 16 Prozent. Das entspricht einer Steigerung um 15 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Der pharmazeutische Großhandel, einer der eher leisen Spieler im Konzert des Gesundheits-wesens, ist gerade dabei, sein Meisterstück in Sachen effizienter Interessenvertretung abzulie-fern: Seinem Bundesverband Phagro ist es gelungen, in den Entwurf der 15. Novelle des Arz-neimittelgesetzes (AMG) eine Passage einzubringen, die es in sich hat: Die Arzneimittelher-steller sollen gesetzlich verpflichtet werden, „im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vollversorgender Arzneimittelgroßhandlungen zu gewährleisten.“ Übersteht diese Formulierung die Anhörungen und parlamentarischen Beratungen, dann besitzt der Großhandel eine gesetzliche Bestandsgarantie.

In engem Zusammenhang damit steht ein weiterer Erfolg, den der Phagro für sich verbuchen kann: Bundesgesundheits- und Bundeswirtschaftsministerium arbeiten an einer Änderung der Arzneimittelpreisverordnung, die den Großhändlern, ähnlich wie den Apothekern, ab 2010 eine weitgehend preisunabhängige pauschale Vergütung pro ausgelieferter Packung garantieren soll.

Spontane Einfälle

01 Okt 08

Thomas Postina

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat den Mund recht voll genommen. Noch am selben Tag, an dem das Bundeskabinett den einheitlichen Krankenkassenbeitrag fürs nächste Jahr auf 15,5 Prozent festgesetzt hatte, überraschte die Ministerin mit der Versicherung, dieser Satz werde auch 2010 Bestand haben.

Wer das Gerangel um die Beitragshöhe miterlebt hat, der kann sich nur die Augen reiben. Nicht einmal der Schätzerkreis, dem Vertreter des Bundesversicherungsamts, des Gesundheitsministeriums und der Krankenkassen angehören, hatte sich auf eine Empfehlung an das Kabinett einigen können: die Kassenvertreter, die auf 15,8 Prozent beharrten, kämpften auf verlorenem Posten. Die Höhe des Krankenkassenbeitrags stand – darauf deuten viele Aussagen im Vorfeld hin - bereits vor Sitzungsbeginn fest.

Effekthascherei

05 Jul 08

Thomas Postina

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause ist es ruhig geworden um die Gesundheitspolitik. Lediglich das leise Grummeln über den Gesundheitsfonds, der trotz diverser politischer Widerstände nicht mehr zu verhindern sein dürfte, bildete das Hintergrundgeräusch auf den zahlreichen Sommerfesten, zu denen sich das politische Berlin in den letzten Wochen traf. Dort standen bei Wein und Bier auch jene freundlich zusammen, die sonst in ihren Grundpositionen nicht unbedingt übereinstimmen. Aber für eine zumindest menschliche Annäherung sind schließlich solche Sommerfeste da.

Eine der wenigen Ereignisse von gewissem Gewicht war die Vorstellung des diesjährigen Arzneimittel-Reports der Gmünder Ersatzkasse Ende Juni. Er bietet zwar auch nichts wirklich Überraschendes, denn die Schlussfolgerungen die sein Autor, der Bremer Professor Dr. Gerd Glaeske zieht, sind letztlich seit Jahren die gleichen: Es werden zu viele Me-too-Präparate verordnet und zu wenig Generika.

Der Koalitionsvertrag, auf den sich Union und SPD Mitte November geeinigt haben, ist für die Arzneimittelindustrie – da gibt es nichts zu beschönigen – ein Desaster. Die Arzneimittelpreise werden für zwei Jahre eingefroren, auf Generika müssen die Hersteller fünf Prozent Rabatt gewähren, das Marketinginstrument des Naturalrabatts wird verboten, und was innovativ ist, bestimmt vermutlich künftig das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. So hatte sich vermutlich kein Vertreter der diversen Pharmaverbände den Beginn einer CDU-Kanzlerschaft vorgestellt.

Bedenklicher als die Marterinstrumente selber ist jedoch etwas ganz anderes: dass die Eingriffe in den Arzneimittelmarkt zwischen Union und SPD offensichtlich überhaupt kein Streitpunkt waren. Alle Instrumente sind bereits im ersten Arbeitspapier der Verhandlungsgruppe Gesundheit nachzulesen.

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