Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Kapitaldeckung

Die große Reform bleibt Wunschdenken

01 Mär 06

Thomas Postina

Wir alle haben offenbar die Kraft der Großen Koalition unterschätzt. Wer glaubte, das Modell einer Bürgerversicherung, also einer Zwangsversicherung für alle, sei mit dem Konzept der Gesundheitsprämie, also einer einheitlichen Kopfpauschale für GKV-Versicherte, nicht vereinbar, der hat sich getäuscht. Jetzt, wenige Tage nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, belehrt uns Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eines Besseren.

Nach all den Informationen und Desinformationen, die aus Berlin herüber schwappen, scheint eines klar: Wir kriegen weder das eine, noch das andere, wir bekommen beides. Zehn Prozent der GKV-Einnahmen sollen künftig durch eine einheitliche Kopfpauschale aufgebracht werden, die jeder Erwachsene direkt an seine Versicherung zahlen muss. Der Rest soll über einkommensabhängige Beiträge, Kapitaleinkommen inklusive, aufgebracht werden.

Die Spitzenorganisation der Apotheker, die ABDA, teilte den Medien Ende Januar per Pressemitteilung mit: „Bei den Arzneimittelausgaben hat die Gesundheitsreform auch im Dezember 2004 gut gewirkt. ... Nach ersten Analysen des Deutschen Apothekerverbandes betrugen die effektiven Einsparungen, die durch das Reformgesetz im vergangenen Jahr erzielt wurden, im Einzelnen:

  • Ausschluss der OTC-Präparate: 1,4 Milliarden Euro
  • Patientenzuzahlung: 0,6 Milliarden Euro
  • Erhöhung des Herstellerrabatts: 1,0 Milliarden Euro
  • Halbierung der Großhandelsmargen und Umstellung der Apothekenvergütung: 0,8 Milliarden Euro

Die gute Wirkung, welche die ABDA dem GKV-Modernisierungsgesetz bescheinigt, zeigt die Abhängigkeit der Arzneimittelindustrie von der Gesetzlichen Krankenversicherung deutlich. Ihre Weiterentwicklung bestimmt auch die Chancen der pharmazeutischen Industrie in Deutschland mit. Daher lohnt es sich, die derzeitige Debatte zu verfolgen, bei der es vordergründig um die Frage geht: Hat die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nun ein Einnahmeproblem oder ein Ausgabeproblem?

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