Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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OTC

Berater in der Klemme

02 Jul 09

Thomas Postina

Beratung der Patienten stand bei den Apothekern schon immer hoch im Kurs. Mit dem Hinweis auf ihre Beratungskompetenz wetterten die Pharmazeuten herabsetzende Bemerkungen ab, sie seien doch nur – wenn auch akademisch gebildete - Schubladenzieher. Über ihre Beratungsleistung haben sie ihre Rolle im Gesundheitswesen definiert. Aus diesem Selbstverständnis heraus konnten sie glaubwürdig gegen Versandapotheken und Versandhandel mit Arzneimitteln argumentieren.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich immer mehr Apotheker für dieses Kernelement ihres Standesbewusstseins bezahlen lassen – und zwar von den Krankenkassen. In Bayern, Sachsen, Thüringen, Hamburg und Teilen Nordrhein-Westfalens erhalten sie von der AOK so genannte Compliance-Boni. Das Geld wird dafür bezahlt, dass sie den AOK-Mitgliedern die neuen Rabattmedikamente schmackhaft machen, auf die die Versicherung die verfügbare Arzneimittelpalette eingeschränkt hat.

Grün ist die Hoffnung

01 Mär 09

Thomas Postina

Am 31. Dezember 2003 nachts um zwölf war die Welt noch in Ordnung: Die Ärzte konnten alle Medikamente verschreiben, die sie für sinnvoll hielten, und die Krankenkassen zahlten dafür, ob die Arzneimittel nun rezeptpflichtig waren oder nicht. Seit 1. Januar 2004, Glockenschlag Mitternacht, ist es damit vorbei. Rezeptfreie Arzneimittel gibt es nur noch in Ausnahmefällen auf Kassenkosten – mit dramatischen Folgen.

Verglichen mit dem Jahr 2003 konnten die Hersteller von rezeptfreien und freiverkäuflichen Arzneimitteln statt 914 Millionen Packungen gerade noch 736,9 Millionen verkaufen, was einem Minus von 19,4 Prozent entspricht. Parallel dazu verringerte sich der Umsatz. Er sank binnen fünf Jahren um 20 Prozent von 7,07 Milliarden Euro auf 5,65 Milliarden im Jahr 2008. Den 1,52 Milliarden Euro, die den Herstellern im Erstattungsgeschäft im Vergleich zu 2003 fehlen, stehen gerade einmal 100 Millionen zusätzlicher Einnahmen im eigentlichen Selbstmedikationsmarkt gegenüber.

Der Selbstmedikationsmarkt kränkelt

01 Mär 07

Thomas Postina

Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis macht den Herstellern von rezeptfreien Arzneimitteln seit drei Jahren erheblich zu schaffen. In der Theorie sind nämlich 84 Prozent der Menschen bereit, mehr Geld für OTC-Medikamente auszugeben. In der Praxis tun sie es jedoch nicht.

Das Hoffnung stiftende Umfrageergebnis des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) aus dem Jahre 2000 jedenfalls erfüllte sich in der Realität nicht. Seit das GKV- Modernisierungsgesetz rezeptfreie Medikamente bis auf genau definierte Ausnahmen
aus der Erstattung gekippt hat, geht es abwärts mit rezeptfreien Arzneimitteln.

Wurden im Jahr 2003 noch 41 Prozent aller rezeptfreien Medikamente verordnet, waren es im Jahr 2005 gerade noch 23 Prozent. Lässt man die Privatversicherten außen vor, dann stellt sich die Entwicklung noch dramatischer dar: Menge und Wert der zu Lasten der GKV verordneten Arzneimittel schrumpften binnen zweier Jahre sogar um 63 Prozent auf 139 Millionen Packungen und in Cent und Euro gerechnet um 69 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro Umsatz.

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