Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Rahmenbedingungen

Lange hat es gedauert. Doch so allmählich macht sich in der Politik ein Paradigmenwechsel bemerkbar. Die Gesundheitswirtschaft, insbesondere die Produzenten von Arzneimitteln, Diagnostika und Medizintechnik, werden nicht mehr ausschließlich als die Profiteure des Gesundheitssystems gesehen, sondern als Hoffnungsträger. Mit ihrer Innovationskraft, mit ihrem Know-how sollen sie zum einen dazu beitragen, eine alternde Gesellschaft möglichst gesund zu erhalten und damit die Sozialsysteme zu entlasten. Zum anderen sollen sie sicherstellen, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb mit Arzneimitteln und Medizinprodukten weiterhin einen der vorderen Plätze einnimmt.

Symptomatisch für diesen erfreulich veränderten Blickwinkel ist das Rahmenprogramm zur Gesundheitsforschung, das die federführende Bundesforschungsministerin Annette Schavan gemeinsam mit Gesundheitsminister Philipp Rösler jetzt in Berlin vorgestellt hat. Die stolze Summe von fünfeinhalb Milliarden Euro soll in den nächsten vier Jahren in dieses Programm fließen.

Quo vadis Selbstverwaltung?

09 Aug 08

Thomas Postina

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat in diesem Sommer ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Auf der Festveranstaltung in Berlin sprachen die Bundeskanzlerin, der Arbeitgeberchef und der DGB-Vorsitzende. Und so unterschiedlich ihre Bewertungen und Forderungen zur GKV auch waren, eines einte sie: das Lob der Selbstverwaltung.

Sie ist das tragende Prinzip der GKV. Arbeitnehmer und Arbeitgeber verwalten ihre Krankenkassen seit Gründung eigenständig. Die Leistungen für die Mitglieder und ihre Honorierung wiederum handeln sie in der Gemeinsamen Selbstverwaltung mit den jeweiligen Selbstverwaltungsorganen der Vertragsärzteschaft, der Krankenhäuser und Apotheker aus. Die Politik muss – so zumindest die Theorie - lediglich die Rahmenbedingungen festlegen.

Die Vorteile der Selbstverwaltung liegen in ihrer dezentralen Struktur. Entscheidungen basieren auf praktischen Erfahrungen und werden von denen gefällt, die auch damit leben müssen. Zudem sind solche Entscheidungen, auch oder gerade, weil lange um sie gerungen wird, demokratisch legitimiert und damit tragfähig.

Warnsignale übersehen

02 Jan 05

Thomas Postina

Mit rund 117.000 Mitarbeitern ist die Arzneimittelindustrie als Arbeitgeber ein eher kleines Licht. Die Branche hat immer schon darunter gelitten, dass sie – anders als die Autoproduzenten, die Stahlkocher oder die hoch subventionierten Kohleförderer - niemals ihre Arbeitsplätze in die Waagschale werfen konnten, wenn es um ihre künftigen Rahmenbedingungen ging. Was sind schon 7000 Arbeitsplätze, die zwischen 2003 und 2004 bei den Arzneimittelunternehmen verstreut über die ganze Bundesrepublik und damit völlig unspektakulär verloren gingen, wenn allein in Rüsselsheim oder Bochum 10.000 oder 15.000 Opelaner um ihren Job bangen?

Von Anfang an fehlte Rückendeckung

09 Dez 04

Thomas Postina

Noch nie in der jüngeren Vergangenheit hat sich ein Arzneimittelhersteller so vehement, so deutlich, so entschieden aus dem Fenster gelehnt und in aller Öffentlichkeit gegen halbstaatliche Eingriffe in den Arzneimittelmarkt gewehrt wie Pfizer.

Wie kein Unternehmen zuvor, hat das amerikanische Unternehmen mit dem Vorwurf: „Ab Januar wird gespart. An der Gesundheit von Millionen Herz-Kreislauf-Patienten“ Fachwelt und Öffentlichkeit polarisiert. Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen wiesen im gemeinsamen Schulterschluss den Vorwurf zurück. Das Bundesgesundheitsministerium sprach von einer ethisch verwerflichen Kampagne. Dagegen unterstützten tausende Ärzte Pfizer bei einer Unterschriften-Aktion.

Was war passiert? Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte Pfizers Cholesterinsenker Sortis® in einen Festbetrags-Topf mit den übrigen vier in Deutschland erhältlichen Statinen geworfen. Und die Spitzenverbände der Krankenkassen hatten für diese Jumbogruppe einen Festbetrag fixiert, der 38 Prozent unter dem Pfizer-Preis liegt.

Der Aufschrei ist voraussehbar. Spätestens Mitte Februar 2005 werden die üblichen Koryphäen der Arzneikritik mit dem Zeigefinger der einen Hand auf die Pharma-Industrie deuten, während sie in der anderen Hand anklagend die vorläufigen Januar-Zahlen des GKV-Arzneimittelmarkts in die Höhe halten.

Dabei ist das, was sie zu präsentieren haben, in keiner Weise überraschend. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen deutlich über jenen des Januar 2004 liegen werden. Alles andere wäre ein Wunder.

Dass es ausbleibt, liegt zum einen an dem noch spürbaren Vorzieheffekt aus 2003, mit dem die Patienten den neu eingeführten höheren Zuzahlungen entgehen wollten, und der sich im Januar 2004 mit einem Verordnungsminus von 35 Prozent gegenüber Dezember niederschlug. Zum anderen macht sich auch der Trend zur Verschreibung innovativer Arzneimittel in einer Strukturkomponente von drei bis sieben Prozent jährlich bemerkbar.

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