Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Quo vadis Selbstverwaltung?

09 Aug 08

Thomas Postina

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat in diesem Sommer ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Auf der Festveranstaltung in Berlin sprachen die Bundeskanzlerin, der Arbeitgeberchef und der DGB-Vorsitzende. Und so unterschiedlich ihre Bewertungen und Forderungen zur GKV auch waren, eines einte sie: das Lob der Selbstverwaltung.

Sie ist das tragende Prinzip der GKV. Arbeitnehmer und Arbeitgeber verwalten ihre Krankenkassen seit Gründung eigenständig. Die Leistungen für die Mitglieder und ihre Honorierung wiederum handeln sie in der Gemeinsamen Selbstverwaltung mit den jeweiligen Selbstverwaltungsorganen der Vertragsärzteschaft, der Krankenhäuser und Apotheker aus. Die Politik muss – so zumindest die Theorie - lediglich die Rahmenbedingungen festlegen.

Die Vorteile der Selbstverwaltung liegen in ihrer dezentralen Struktur. Entscheidungen basieren auf praktischen Erfahrungen und werden von denen gefällt, die auch damit leben müssen. Zudem sind solche Entscheidungen, auch oder gerade, weil lange um sie gerungen wird, demokratisch legitimiert und damit tragfähig.

Ruck in die falsche Richtung

02 Jan 08

Thomas Postina

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“ Zehn Jahre ist es schon her, dass Bundespräsident Roman Herzog diesen Ruck in seiner berühmt gewordenen „Berliner Rede“ anmahnte und schonungslos auf gravierende Fehlentwicklungen in unserer bequem gewordenen Gesellschaft hinwies. Getan hat sich seither wenig. Erst im vergangenen Jahr ruckte es merklich - wenn auch in eine andere Richtung, als es sich Roman Herzog wohl dachte.

Rief er noch nach einer Gesellschaft, in der sich die Bürger zunächst auf eigene Stärken verlassen und die eigenen Fähigkeiten mobilisieren, ehe sie nach dem Staat rufen, so erlebten wir im zurückliegenden Jahr das krasse Gegenteil. Statt einer Reformpolitik, die den Menschen und den Unternehmen Freiheiten und Chancen eröffnet, überbieten sich die Parteien in ihrem Bemühen, unter allen Lebensrisiken der Bürger staatliche Auffangnetze einzuziehen.

Das Kreuz mit dem IGeLn

11 Aug 07

Thomas Postina

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel: Zwar bekommt eine wachsende Zahl von gesetzlich Krankenversicherten beim Arztbesuch Zusatzleistungen gegen private Rechnung angeboten, doch scheint das Potenzial dieser Individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IgeL genannt, ziemlich ausgeschöpft. Noch 2004 hatte das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen rasante Zuwachsraten - nämlich um 44 Prozent binnen zwölf Monaten - gemeldet. Damals hatten 23,1 Prozent der Befragten davon berichtet, dass ihnen solche IgeL-Leistungen angeboten worden waren, zwei Jahre später waren es gerade einmal 25,2 Prozent, also unwesentlich mehr. Auch das Leistungsvolumen blieb nahezu gleich. Das WidO schätzt es unverändert auf rund eine Milliarde Euro.

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