Thomas Postina

Thomas Postina, Geschäftsführer von PPR, bloggt über eines der spannendsten Themen unserer Gesellschaft: das Gesundheitswesen.

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Spontane Einfälle

01 Okt 08

Thomas Postina

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat den Mund recht voll genommen. Noch am selben Tag, an dem das Bundeskabinett den einheitlichen Krankenkassenbeitrag fürs nächste Jahr auf 15,5 Prozent festgesetzt hatte, überraschte die Ministerin mit der Versicherung, dieser Satz werde auch 2010 Bestand haben.

Wer das Gerangel um die Beitragshöhe miterlebt hat, der kann sich nur die Augen reiben. Nicht einmal der Schätzerkreis, dem Vertreter des Bundesversicherungsamts, des Gesundheitsministeriums und der Krankenkassen angehören, hatte sich auf eine Empfehlung an das Kabinett einigen können: die Kassenvertreter, die auf 15,8 Prozent beharrten, kämpften auf verlorenem Posten. Die Höhe des Krankenkassenbeitrags stand – darauf deuten viele Aussagen im Vorfeld hin - bereits vor Sitzungsbeginn fest.

Der Herbst hat für die pharmazeutische Industrie seinen Schrecken verloren. Bis vor zwei Jahren fegte spätestens im Oktober ein frostiger Sturm durch den Blätterwald, angefacht durch den Arzneiverordnungs-Report. Seit 1984 erklärte dieses, vom Wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen herausgegebene Kompendium der empörten Öffentlichkeit, wie Kassen und Beitragszahler geschröpft werden durch eine Pharma-Industrie, die nur ans Geld denkt und unsinnige Arzneimittel auf den Markt wirft sowie durch Ärzte, die diese Mittel auch noch unkritisch verordnen. Jedes Mal kamen Milliardensummen zusammen, die man bei rationalem Umgang mit Medikamenten hätte sparen können. Das wird auch in diesem Jahr so sein, doch mit einem kleinen Unterschied: Die Wirkung ist nicht mehr dieselbe. Vom Sturm blieb ein Lüftchen.

Das Kreuz mit dem IGeLn

11 Aug 07

Thomas Postina

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel: Zwar bekommt eine wachsende Zahl von gesetzlich Krankenversicherten beim Arztbesuch Zusatzleistungen gegen private Rechnung angeboten, doch scheint das Potenzial dieser Individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IgeL genannt, ziemlich ausgeschöpft. Noch 2004 hatte das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen rasante Zuwachsraten - nämlich um 44 Prozent binnen zwölf Monaten - gemeldet. Damals hatten 23,1 Prozent der Befragten davon berichtet, dass ihnen solche IgeL-Leistungen angeboten worden waren, zwei Jahre später waren es gerade einmal 25,2 Prozent, also unwesentlich mehr. Auch das Leistungsvolumen blieb nahezu gleich. Das WidO schätzt es unverändert auf rund eine Milliarde Euro.

Auf dem Weg ins Ein-Klassen-System

05 Apr 06

Thomas Postina

Spätestens als SPD und Grüne ihre Ideen von der Bürgerversicherung als Allheilmittel für das Gesundheitswesen entwickelt hatten, kühlte das Klima für die Private Krankenversicherung (PKV) spürbar ab. Seit Herbst letzten Jahres müssen sich die PKV-Manager noch wärmer anziehen. Der Wind, der aus der Berliner Wilhelmstraße herüber bläst, ist an schneidender Kälte kaum noch zu überbieten.

Im Gesundheitsministerium, das dort noch seinen Sitz hat, wird die PKV – so scheint es - nur noch als lästiges Überbleibsel aus einer Zeit gesehen, in der die gesetzliche Krankenversicherung eine Versicherung für Bedürftige war und längst nicht allen Menschen offen stand. Insbesondere Reiche und Begüterte – so glaubte man – bedürften nicht des Schutzes eines sozialen, staatlichen Sicherheitsnetzes, sondern sie könnten und sollten gefälligst für sich alleine sorgen.

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