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Dauerthema Lieferengpass – Thomas Postina in seiner PharmInd-Kolumne Mai 2017

Lieferengpässe – und kein Ende. Diesmal ist es Remifentanil, das heftige politische Diskussionen und medialen Aufruhr über die Sicherheit der Arzneimittelversorgung ausgelöst hat. Seit einigen Monaten ist das Narkosemittel in Deutschland nur noch beschränkt verfügbar. Dennoch sind wir weit entfernt von einem Horrorszenarium, mit dem die Medien ihre Interviewpartner konfrontierten: nämlich, dass Operationen nun verschoben werden müssen oder gar unmöglich sind, konstatiert PPR-Geschäftsführer Thomas Postina in seiner PharmInd-Kolumne in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) wies schleunigst darauf hin, dass genügend Alternativen zur Verfügung stehen und diese Gefahr nicht besteht. Selbst der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe musste sich dazu äußern und gab Entwarnung.

Viel genutzt hat es nicht. Die üblichen Verdächtigen kamen sofort mit alten Forderungen aus der Deckung, unter anderen der Chef der AOK-Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, der eine Meldepflicht für Hersteller und Großhändler über ihre Lagerbestände an das BfArM verlangt. Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery, meldete sich zu Wort, der eine nationale Medikamenten-Reserve vorschlug. Mit dieser Forderung traf er bei den Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU) und Sabine Dittmar (SPD) auf offene Ohren, die sich einen sechswöchigen Medikamentenvorrat bei den Herstellern vorstellen können.

Wegen der Abhängigkeit von Wirkstoffproduzenten, insbesondere aus Indien, Korea und China, drängt Montgomery darauf, dass die Bundesregierung auf dem Aufbau eines internationalen Katasters über Arzneimittel besteht, denn, „wir müssen wissen, welche Medikamente wo und wie produziert werden.“

Unabhängig von der aktuellen Diskussion hat das BfArM inzwischen sein Informationsangebot zu Lieferengpässen für Humanarzneimittel auf seiner Homepage erweitert. Es veröffentlicht jetzt erstmals – wie im Jour fixe mit der Pharma-Industrie verabredet – die Liste der Wirkstoffe, die im Zusammenhang mit der Versorgung der Gesamtbevölkerung als besonders relevant angesehen werden. Sie berücksichtigt Wirkstoffe für verschreibungspflichtige Arzneimittel und beruht maßgeblich auf den Vorschlägen der medizinischen Fachgesellschaften unter Berücksichtigung der Essential Drug List der Weltgesundheitsorganisation. Medikamente, die auf dieser Liste stehen, werden künftig von den Bundesoberbehörden im Hinblick auf die Versorgungslage einem besonderen Monitoring unterzogen.

Das BfArM macht in seiner erfreulich nüchternen, faktenorientierten Presseerklärung klar, dass zwischen Liefer- und Versorgungsengpässen unterschieden werden muss. Denn ein Lieferengpass muss nicht gleichzeitig ein Versorgungsengpass sein, da oftmals alternative Arzneimittel zur Verfügung stehen, durch die die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter sichergestellt werden kann. Das war auch im Falle von Remifentanil so, wie das BfArM durch die Beschreibung seines Vorgehens deutlich macht.

So habe das BfArM den direkten Austausch mit dem Hersteller und der medizinischen Fachgesellschaft angestoßen, die einvernehmlich feststellten, dass es sich bei Remifentanil zwar um einen Lieferengpass, nicht aber um einen Versorgungsengpass handelt. Denn durch den Einsatz therapeutischer Alternativen sei ausreichend Remifentanil verfügbar, um alle Patientinnen und Patienten behandeln zu können, die in besonderer Weise auf Remifentanil angewiesen sind.

Doch solche pragmatischen, unaufgeregten Ansätze gehen in einer fast schon ideologisch geprägten Diskussion leider oft unter.

Thomas Postina

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