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Diagnostica-Forum Labormedizin: Qualität leidet nicht unter Konzentrationsprozess
Berlin – Das Engagement von Finanzinvestoren bei ärztlichen Laboren, die sie zu internationalen Laborverbünden zusammenführen, geht nicht zwangsläufig zu Lasten der Qualität in der Labormedizin. Diese Auffassung teilten namhafte Mediziner und Ökonomen beim Branchentreff „Diagnostica-Forum“, zu dem der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) Ende Januar nach Berlin eingeladen hatte. Qualitätseinbußen drohten eher – so der Präsident der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Professor Dr. Karl Lackner – durch die schleppende Besetzung labormedizinischer Lehrstühle sowie das extrem niedrige Vergütungsniveau von Laborleistungen in Deutschland.
In niedrigen Honoraren für ärztliche Laborleistungen in Deutschland, die teilweise nur ein Zehntel der Honorierung in anderen Ländern erreicht, sahen die Fachleute auch die wesentliche Ursache für die anhaltende Tendenz, ärztliche Labore zu immer größeren, international tätigen Laborketten zu verschmelzen. Angesichts des hierzulande erreichten hohen Grads an Rationalisierung und Automatisierung sei der durch Zusammenschlüsse sich ergebende Größeneffekt eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, Effizienzreserven im Laborbereich zu erschließen, betonte der Unternehmensberater Professor Dr. Peter Borges. Der hohe Rationalisierungsgrad mache auch die Attraktivität deutscher Labore für internationale Investoren aus. „Sie gehen in ein Land, das die weltweit zu erwartende Entwicklung bereits vorweggenommen hat.“
Der Vorstandsvorsitzende des VDGH, Matthias Borst, sah diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Die Konzentration der Nachfragemacht auf wenige Laborketten habe bei den Herstellern von Labordiagnostika und Laborgeräten zu dramatischem Preisverfall geführt. Umso
bedeutender seien die Entwicklung und Einführung innovativer Laboruntersuchungen und deren rascher Marktzugang. Borst kritisierte die Verfahren zur Aufnahme neuer Labortests in die kassenärztliche Versorgung als zu langwierig und als schwerwiegende Marktzutrittshürde. Er forderte transparente und zügige Entscheidungen.
Der Leiter des KBV-Kompetenzzentrums Labor, Dr. Christian Götting, gab sich zuversichtlich, dass sich diese Situation verbessert. Mit der Verfahrensordnung zur Beurteilung innovativer Laborleistungen, auf die sich der Bewertungsausschuss von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) verständigt hatten, sei zum einen ein strukturiertes Verfahren für die Beurteilung neuer Labortests geschaffen worden. Zum anderen hätten auch die Hersteller Klarheit, welche Anforderungen an die einzureichenden Unterlagen gestellt würden. Das KBV-Kompetenzzentrum beurteilt innerhalb des Aufnahmeprozesses den Nutzen neuer Diagnoseverfahren. Götting sicherte den Diagnostica-Firmen eine konstruktive Zusammenarbeit zu.
Dr. Dieter Auch, bei der KBV für den Laborbereich zuständig, verwies darauf, dass die Laborärzte Innovationen unter bestimmten Voraussetzungen auch weiterhin als „Ähnliche Untersuchungen“ abrechnen können. Eine Änderung dieser Regelung sei nicht beabsichtigt.
Dr. Manfred Partsch, Leiter ambulante Versorgung beim GKV-Spitzenverband, machte deutlich, dass die Laborreform von 2008 bislang weder eine nachhaltige Veränderung des Volumens der abgerechneten Laborleistungen, noch wesentliche Einsparungen gebracht hätten und daher weitere Reformen nötig seien. Der GKV-Spitzenverband strebe dabei jedoch an, dass die dabei erzielten Einsparungen innerhalb des Laborbereichs umgeschichtet und etwa zur Finanzierung von Innovationen verwendet werden sollten.
Einen Überblick über den Stand der Reform der Gebührenordnung Ärzte (GOÄ) gab Alexander Golfier. Die Bundesärztekammer (BÄK) habe ein umfassendes neues Gebührenordnungskonzept erarbeitet, das rund 25 Prozent mehr Positionen enthalte als die rund 30 Jahre alte bisherige GOÄ. Er sprach sich entschieden gegen jedwede Öffnungsklauseln aus und versicherte, vor einer Verabschiedung erhielten alle ärztlichen Berufsverbände die Gelegenheit zur Prüfung und Stellungnahme.
Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von rund 90 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von rund 3,7 Milliarden Euro. Sie stellen Untersuchungssysteme und Reagenzien zur Diagnose menschlicher Krankheiten her, mit denen ein Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erzielt wird, sowie Instrumente, Reagenzien, Testsysteme und Verbrauchsmaterialien für die Forschung in den Lebenswissenschaften, mit denen ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet wird.