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Diagnostica-Industrie trotzt Krise
Hersteller von Labortests starten optimistisch ins neue Jahr
Berlin – Die Diagnostica-Industrie hat der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise getrotzt und ist im zurückliegenden Jahr leicht gewachsen. „Mit einem Umsatzplus von 1,3 Prozent auf 2,16 Milliarden Euro ist das Wachstum zwar geringer als in den Vorjahren ausgefallen, angesichts der Umsatzeinbrüche anderer Branchen aber respektabel“, betonte der Vorsitzende des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH), Dr. Jürgen Schulze, heute (13.) in Berlin.
Die klassische Labordiagnostik konnte nach den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2009 mit einem Plus von 2,4 Prozent ein leicht überdurchschnittliches Wachstum auf 1,34 Milliarden Euro verbuchen, während das Geschäft mit Schnelltests Einbußen um 0,4 Prozent auf 813 Millionen Euro hinnehmen musste.
Ins Jahr 2010 sind die Hersteller von Diagnosesystemen und Reagenzien für das ärztliche Labor optimistisch gestartet. Dies geht aus der jährlichen Verbandsumfrage hervor, die der VDGH-Vorsitzende präsentierte. Demnach erwarten 42,6 Prozent der Mitgliedsfirmen eine bessere wirtschaftliche Entwicklung, 10,6 Prozent sogar eine deutlich bessere Entwicklung als im Jahr 2009. Entsprechend positiv stellen sich die Umsatzerwartungen dar: Fast 80 Prozent der Firmen rechnen mit wachsenden oder stark wachsenden Erlösen, nur 8,7 Prozent mit rückläufigen Umsätzen.
Zurückhaltender wird das künftige Geschäft mit den gesetzlichen Krankenkassen beurteilt: Ein Drittel der Unternehmen rechnet hier mit eher bescheidenen Umsatzzuwächsen, während ein Viertel von Umsatzverlusten ausgeht. Rund 42 Prozent der Firmen erwarten ein gleichbleibendes Geschäft.
Die Zuversicht der Firmen schlägt auch auf die Personal- und Investitionsplanung durch: Mehr als 60 Prozent planen Neueinstellungen, 37 Prozent wollen ihren Personalstand halten und nur zwei Prozent der Unternehmen erwägen Personal abzubauen. Damit setzt die mittelständisch geprägte Diagnostica-Industrie positive Impulse für den deutschen Arbeitsmarkt.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird von den Managern ambivalent beurteilt: Als Hemmnisse für die Entwicklung der Industrie werden das bürokratische und langwierige Auf-nahmeverfahren neuer Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, der hohe Preisdruck sowie der Konzentrationsprozess bei den Kunden gesehen. Positiv am Standort Deutschland sei dagegen der hohe Standard der klinischen Forschung sowie die Qualität und Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. Impulse erhoffen sich die Firmen von der politisch gewünschten Förderung der Prävention sowie von der zunehmenden Akzeptanz von Selbstzahlerleistungen im Gesundheitswesen.
Ob sich die zuversichtlichen Erwartungen der Branche auch erfüllen, hängt nach Auffassung von Dr. Jürgen Schulze von den künftigen Weichenstellungen in der Gesundheitspolitik ebenso ab, wie von der Selbstverwaltung von Krankenkassen und Ärzteschaft. Den Ankündigungen der schwarz-gelben Koalition, das Gesundheitswesen innovationsfreundlich zu gestalten und die Krankheitsvorbeugung zu stärken, müssten jetzt Taten folgen. Der Verband fordert ein rasches Aufnahmeverfahren für innovative Labortests, die angemessene Honorierung der Laborleistungen sowie die Übernahme sinnvoller Früherkennungsmaßnahmen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.
Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von rund 90 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von rund 3,6 Milliarden Euro. Sie stellen Untersuchungssysteme und Reagenzien zur Diagnose menschlicher Krankheiten her, mit denen ein Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erzielt wird, sowie Instrumente, Reagenzien, Testsysteme und Verbrauchsmaterialien für die Forschung in den Lebenswissenschaften, mit denen ein Umsatz von 1,4 Milliarden Euro erwirtschaftet wird.