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VPB-Experteninterview mit VPB-Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Sandra Queißer zum Thema Home-Staging beim Wohnungskauf

Frage:
Frau Queißer, Sie haben festgestellt, Home-Staging wird bei Ihnen in Berlin immer häufiger eingesetzt, um Bestandswohnungen schneller und besser zu verkaufen. Was genau ist Home-Staging?

Antwort:
Home-Staging soll Wohnräume durch innenarchitektonische Stilmittel in ein gutes Licht setzen, es soll dabei möglichst Schwächen überspielen und die Wohnung attraktiv für Käufer machen.

Frage:
Das ist ja nichts Illegales?

Antwort:
Absolut nicht. Solange es ehrlich betrieben wird und dabei nicht Bauschäden bewusst versteckt oder sogar übertüncht werden.

Frage:
Warum halten Sie Home-Staging für bedenklich?

Antwort:
Weil es zur Augenwischerei genutzt wird und dazu dient, von Schwachpunkten einer Immobilie abzulenken.

Wohnungskäufer sind in der Regel Bau-Laien und ohnehin in einer Art Ausnahmesituation. Sie wollen sehr viel gutes Geld investieren und dabei möglichst alles richtig machen. Ganz klar, dass eine aufgehübschte Immobilie sie mehr anspricht als nackte, leere Räume, wo sie die Abdrücke der Bilderrahmen noch deutlich erkennen, Stromkabel von der Decke baumeln, abgeplatzte Fliesen in Küche und Bad sofort ins Auge stechen und feuchte Flecken an der Außenwand den Verdacht auf Schimmel keimen lassen.

Frage:
Warum wirkt das Home-Staging so gut?

Antwort:
Menschen, die auf Wohnungssuche sind, befassen sich gerade in dieser Phase sehr intensiv mit dem Thema. Sie lesen Bücher, Ratgeber und Internetbeiträge, und sie schauen sich Hochglanzmagazine an. Dort stoßen sie dann auf lauter schicke Wohnungen. Sie finden überall in etwa die gleichen Farben und Dekorideen, kurz, alles, was gerade hipp ist. Das prägt ihren Blick auf die Dinge erheblich. Finden sie solche Farben und Details dann auch in der angebotenen Wohnung, werden sie sich dort gleich ein bisschen heimisch fühlen. Das geht sozusagen automatisch. Diese Gefühle nutzen Verkäufer für ihre Zwecke.

Frage:
Woran erkennt man eine „gestagte“ Wohnung? Was haben Sie da alles schon erlebt?

Antwort:
Ein Indikator kann beispielsweise sein, dass die Möbel keinerlei Gebrauchspuren haben und die Wohnung „neu“ riecht. Des Weiteren sind zum Teil nur bestimmte Wohnungsbereiche hergerichtet, dieses ist sehr kritisch zu sehen. Ein weiteres Anzeichen kann sein, dass die Einheit „kühl“ wirkt. Dies in Verbindung mit einem längeren Leerstand sind gute Indikatoren, dass genauer geschaut werden sollte.

Frage:
Was raten Sie Kaufinteressenten bei der Besichtigung? Auch mal hinter die Bodenvase schauen und die Handtücher verrücken?

Antwort:
Ja, das wäre richtig! Aber viele Kaufinteressenten haben Hemmungen, weil sie nicht unangenehm auffallen wollen. Meist ist der Andrang der Interessenten ja riesig und wenn sie dann allzu kritisch nachfragen, bekommen sie die Wohnung nicht.

Frage:
Was können die Leute also tun?

Antwort:
Wenn wir mitgehen, schauen wir genauer hin. Außerdem ist die Wohnung selbst ja nur ein kleiner Teil des Gesamtpakets, das sie kaufen. Zu einer Eigentumswohnung gehört immer auch das ungleich wichtigere Gemeinschaftseigentum. Auch das schauen wir uns ganz genau an. Und dann sehen wir schnell, ob das Anwesen gut im Schuss ist oder ob da ein Sanierungsstau aufgelaufen ist.

Frage:
Was bedeutet das dann für die Käufer?

Antwort:
Sobald sie die Wohnung erwerben, werden sie Mitglied der Eigentümergemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten. Das heißt, sie müssen dann auch alle beschlossenen Sanierungen mitfinanzieren. Schon deshalb sollten Kaufinteressenten im Vorfeld nicht nur Haus und Wohnung besichtigen, sondern auch die Teilungserklärung und die Gemeinschaftsordnung studieren, mit dem Verwalter sprechen, sich die Protokolle der Eigentümerversammlungen der vergangenen Jahre durchlesen und den Verwalter nach Rücklagen und geplanten Umlagen fragen. Dann wissen sie, was auf sie zukommt.

Frage:
Was kostet* die Begleitung eines Sachverständigen bei der Wohnungsbesichtigung?

Antwort:
Die Besichtigung einer Wohnung samt Haus mit dem Bausachverständigen dauert erfahrungsgemäß im Schnitt zwischen zwei und drei Stunden. Danach haben die Käufer eine realistische Einschätzung vom Wert der Immobilie.

*(Die Honorare legt jedes VPB-Büro individuell fest. Die Honorarsätze sind auf der VPB-Website, im Bereich „Berater finden“ jeweils beim Regionalbüro aufgelistet. Tipp für Kaufinteressierte: Nur keine Hemmungen! Fragen Sie vorab nach dem Preis!)

Frage:
Noch ein Tipp?

Antwort:
Ja, besichtigen Sie die Wohnung möglichst mehrfach, an unterschiedlichen Wochentagen und zu verschiedenen Tageszeiten. Nur dann bekommen Sie mit, wie laut oder leise Haus und Umgebung wirklich sind. Sprechen Sie auch mit den Nachbarn im Haus und schauen Sie sich in der Umgebung gut um, auch abends. Nicht jedes hippe Quartier ist auch ein schönes Familienwohnviertel.