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VPB rät zu regelmäßigen Baukontrollen bei sinkenden Temperaturen

Das Problem sind die Abbinde- und Trocknungszeiten. Ein Estrich oder Putz beispielsweise braucht mehrere Tage zum abbinden (zu erhärten) und mehrere Wochen, um durchzutrocknen. In dieser Zeit darf die Temperatur nicht unters Limit sacken. „Das klappt oft nicht“, weiß Marc Ellinger. „Gerade bei Bauarbeiten, die um den Gefrierpunkt herum erledigt werden, beobachten wir bei den Baukontrollen später häufig frostbedingte Schäden. Dazu gehören Risse, unzureichende Erhärtung und Festigkeit, fehlende Untergrundhaftung, sprich Hohlstellenbildung.“ Maßgeblich für die Verarbeitungstemperatur sind nicht nur die Lufttemperatur rings ums Gewerk, sondern auch die Außentemperatur und die Bauteiltemperatur, also eine komplexe Mischung, die die Bauarbeiter im Blick behalten müssen.

Damit die Temperatur nicht unter die kritische Marke sinkt, hilft nur Heizen. „Damit muss die Baufirma rechtzeitig anfangen“, mahnt der Sachverständige, „sonst kühlt der Bau erst aus und muss dann wieder unter Einsatz von viel Energie aufgeheizt werden.“ Geeignet sind elektrische Heizgebläse oder die hauseigene Heizung, sofern sie schon funktioniert. Nicht ideal sind Gasheizer, denn sie produzieren mit jedem Liter Gas, den sie verbrauchen, nicht nur Wärme, sondern auch einen Liter Wasser; der muss zusätzlich beseitigt werden und verzögert die Trocknung entsprechend.

Problematisch ist auch noch ein anderer Aspekt: Wenn die Warmluft nach oben steigt, dann zieht sie die Feuchtigkeit mit in die höheren Etagen, wo sie kondensiert, sobald sie auf kalte Flächen trifft. An diesen Stellen siedelt sich dann bevorzugt Schimmel an. Vermeiden lässt sich das nur durch konsequentes Lüften und gleichmäßiges Heizen aller Räume. Das Heizen der Baustelle kann teuer werden. Normalerweise sollte die Baufirma die Kosten dafür tragen. „Besser ist aber, das Thema vor Vertragsschluss zu besprechen und eindeutig zu regeln“, empfiehlt Marc Ellinger den von ihm betreuten Bauherren regelmäßig.

Ein weiteres Problem kann in der kalten Jahreszeit entstehen, wenn sogenannte intelligente oder auch feuchteadaptive Dampfbremsfolien eingebaut wurden. „Diese Folien sind so konzipiert, dass sie ihren Dampfdiffusionswiderstand deutlich reduzieren und extrem dampfdurchlässig werden, sobald auf einer Folienseite eine relative Luftfeuchte von 70 Prozent ansteht“, erläutert Marc Ellinger. „Dieser Zustand, mit hoher relativer Luftfeuchte auf der Raumseite, tritt ein, sobald der Estrich eingebaut ist und mit dem Heizen begonnen wird. Die wärmegedämmten Gefache in der Dachgeschossdecke und den Dachflächen werden in dieser Situation quasi druckbetankt und können die Feuchtigkeit nicht in gleicher Geschwindigkeit nach außen abgeben, wie sie von unten eindringt. Weil der Dampf an der Innenseite der Unterspannbahn kondensiert, infolge der niederen Temperaturen gefriert und die Unterspannbahn dadurch vorübergehend diffusionsdicht ist, werden Dachaufbau und Dämmung durchfeuchtet und bilden so ideale Lebensbedingungen für Schimmelpilze. Soweit darf es nicht kommen“, warnt der Bausachverständige und rät: „Die Feuchtigkeit, die dem Estrich durch das Aufheizen ausgetrieben wird, muss konsequent weggelüftet werden. Reicht das nicht aus, sollten Trocknungsgeräte zur Reduzierung der Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden.“ Ein wichtiger Punkt, auf den die VPB-Berater bei ihren regelmäßigen Baukontrollen achten.

Bauherren, die ihren Hausbau in einem Bautagebuch dokumentieren, sollten gerade in der Übergangszeit stets auch die Außenluft- und die Raumlufttemperaturen sowie die relative Luftfeuchte innen mit dokumentieren, rät der VPB-Experte. „Preiswerte Datenlogger, einer innen, einer außen, sammeln die nötigen Kenngrößen.“